Journal

Kriege um Ringe und Anderes



Die Mächtgsten teilten sich die Welt auf und formten sie entsprechend ihren Ambitionen. Einer der Großen, mit ausgeprägtem Ego, sah, daß er alleine und dann auch gegen die anderen seine Vorstellungen besser verwirklichen konnte. Und so begann ein unterschwelliger Krieg, der lange nicht ausbrach. Denn  der Einzelgänger war sehr mächtig. Aber er bereitete sich auf seinen Waffengang vor und schuf eine Armee von "willigen" Befehlsempfängern. Er umgab sich mit den schurkischsten und treuesten Helfern und zog in den Krieg. Die freiheitsliebenden Mächte siegten am Ende,  aber sein loyalster Diener, mit fast ebenbürtigen Kräften, entkam: Sauron wurde der neue Herr des Bösen...
So steht es im "Silmarillion". Tolkiens Sohn bezeichnet dieses Werk als Hauptwerk seines Vaters. Und zumindest für mich sind diese Märchen schöner zu lesen als HdR. Aber lange nicht so spannend.
Wie bei den meisten Märchen/Sagen/Heldenepen werden zwar die Kämpfe um die Macht zuweilen sehr ausführlich beschrieben. Aber wofür die Macht dann eingesetzt werden soll, bleibt auch bei Tolkien im Dunkeln. Doch das ist sicher kein Problem der Fantasy alleine. Der Kampf um Menschenrecht in der ganzen Welt ist sicher ganz wichtig, denn das Wohl Vieler ist wichtiger als das Wohl eines Einzelnen. Aber ein "Bomben in die Demokratie" funktioniert vermutlich nicht. Unsere westliche Demokratie hat ein merkwürdiges Drittes Gebot, eine Art unerklärte Mission: eine andere Staatsform neben ihr ist nicht zulässig. Ob in den USA nun tatsächlich "das Volk" herrscht oder eine Gruppe von Öl-Konzernen, wird an anderer Stelle diskutiert. Es herrscht hier jedoch ein überheblicher Irrglaube, der sich auch mit dem Scheitern des Sozialismus gezeigt hatte: Man kann Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen. Soll eine soziale Struktur stabil und gerecht sein, muß sie durch die Beteiligten gestützt werden, nicht gegen sie. Und das gilt nicht nur für den Endzustand sondern für jede Etappe auf dem Weg dorthin [1]. Im Unterschied zu einem Marionettenregime kann wirkliche Demokratie nicht "installiert" werden, sie muß von unten wachsen. Demokratie ist immer auch demokratische Kontrolle. Nicht nur die Korruptionsgefahr ist bei neu installierten Regimen besonders hoch [2]. Die Geschichte beweist, wie instabil solche Systeme sind. Das betrifft auch ihre Loyalität zum "Westen".
Jeder, der den Waffengang erwägt, sollte zumindest einen Eindruck vom Leben der Menschen im Irak haben. Verschiedene Delegationen von NGOs, Künstlern etc. bemühen sich, ein lebendiges Bild von unserem Kriegsgegner in spe zu zeichnen. Der Irak ist keine Bananenrepublik", das ist ein entwickeltes Industrieland, dem das Wirtschaftsembargo übel mitgespielt hat. Weil Chlor für die Waffenherstellung benutzt werden kann, fehlt es als Trinkwasserzusatz. Krankenhäuser beklagen Mangel an Medikamenten und Hilfsmitteln.
Jeder, der einen Waffengang befürwortet, muß auch die Folgen einkalkulieren. Anders als bei Tolkien, dürfen Leichenfelder nicht akzeptiert werden. Eindringlich warnt der IPPNW vor den zu erwarteten kollateralen Schäden eines Krieges. 

, 29.Januar 3



1) Der Kommunismus ist, so die Lehre, dann erreicht, wenn der Einzelne sich für die Gesellschaft einordnet: Ohne dies als Einschränkung seiner Freiheit oder gar Zwang zu empfinden! Nun, in dem Falle gibt es natürlich keinen Grund, dagegen zu rebellieren. Aber auf Weg dorthin, zumindest auf dem, der über 70 Jahre in Europa probiert wurde, waren Vor- und Nachteile des Systems in der Summe doch zu ungünstig ausgefallen. Und die Menschen identifizierten sich eben nicht mit ihrem Land. - Im Unterschied zum Irak übrigens.
2) Die zahlreichen US-Skandale und wirtschaftlichen Zusammenbrüche der letzten Monate von Enron über Global Crossing bis WorldCom, zeigen die Notwendigkeit von drastischen Reformen zur Stärkung ethischer und sozialer Verantwortung im Wirtschaftsbereich. Die kürzlichen Enthüllungen von Geldwäsche und Betrug, an denen auch Michael Kopper, ehemaliger Enron-Manager, zugegeben hat beteiligt gewesen zu sein, könnten nur die Spitze des Eisbergs sein.Korrupte politische Eliten in Entwicklungsländern arbeiten Hand in Hand mit skrupellosen Geschäftsleuten und Investoren und stellen ihren privaten Nutzen vor das Gemeinwohl und die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder. Von illegalem Abholzen bis hin zu "Blutdiamanten" sehen wir deutlich, wie die Erde und die Menschen auf verantwortungslose Weise ausgebeutet werden. (http://www.transparency.org)