Editorial 

YetiLab

Wunderwelt in Dresden

Wer nicht weiß, was "Pops tönende Wunderwelt" für eine phantastische Radiosendung ist, kann sich vertrauensvoll an den Autor dieser Seiten wenden oder sich durch den Auriga-Webring schlängeln oder gleich die Heimatseite jener Sendung aufsuchen. Am besten ist es jedoch, sein Radio einzuschalten und die Antenne auf die ferne aber freie Hansestadt Bremen, in der anderen Ecke dieses sogenannten Landes, richten. Falls die Erde dafür zu krumm ist, immerhin verläuft die gerade Verbindung zwischen Dresden und Bremen in der Nähe von Magdeburg etwa 8 km unter der Erdoberfläche, kann man den unerhebliche Umweg von etwa 72.000 km über einen Astra-Satelliten nehmen.

Damit sind wir jedoch schon beim großen Problem. Als MDR-Sputnik endgültig beschlossen hat, sich ins Getümmel der verwechselbaren Formatradios zu stürzen, wurde uns Schwestern und Brüdern zwischen der Ostsee und den Mittelgebirgen die Grundversorgung mit Hängemattenklängen aus Bremen ernsthaft gefährdet. Denjenigen Jugendfreunden, die nur per fest verlegtem Draht o.g. mitteldeutsche Radiostation empfangen konnten, wurde ab 3. Januar ein Wunderweltfilter vor das Kabel geschaltet. Von da an sollte es "Zone 104.4" nur noch in Reinform geben, frei vom Fremdkörpern, schließlich ging es um die Umstrukturierung des Senders zugunsten der "Multimedia-Generation".
Einige der Radioaktiven sind dem Jugendradio, dessen Namen sich (sich!) der MDR schützen ließ - bald werde ich wegen meinem DT64-Aufkleber sicher auf offener Straße verhaftet werden- , von der berühmten Wilsdruffer Mittelwelle auf 1044 kHz in den geostationären Orbit gefolgt, von wo ein freundlicher Trabbi, äh Trabant, das aufgeweckte Programm analog ausstrahlte. Der Besitzer einer Satellitenempfangsanlage konnte auch in diesem Jahr 2000 die Wunderwelt hören: der WDR strahlt die Sendung innerhalb seiner Station Funkhaus Europa aus. Die Europäischen Funker haben zu unserem Leidwesen angekündigt, sich am 1. Mai von der Wunderwelt zu trennen. Was dann übrig bleibt ist, per Mittelwelle dem SFB4 Multikulti zu lauschen oder auf einen digitalen Trabanten umzusatteln. Beides ist nicht immer und bei allen machbar. Als persönlichen Ausweg kann ja der Pop-Narr nach Bremen ziehen. (Ehrlich, ich erwarte dieses Argument schon von den Programmdirektionen diverser Sender. Wenn man schon keinen Nörgler mehr in die DDR schicken kann.)
Nachdem es dem geschwätzigen Moderator gelungen ist, Musik und Flair der weiten Welt wöchentlich für zwei Stunden nach Bremen zu holen, sollte es doch nicht daran scheitern, seine Sendung innerhalb dieses Landes zu verteilen. Wa?

(3.4.00)
P.S. Wir haben den Kampf um den Erhalt der Wunderwelt auf WDR5 verloren.